Queerness und christlicher Glaube werden häufig als Gegensätze dargestellt. Doch wie entsteht dieser vermeintliche Widerspruch? Und was passiert, wenn queere Christ*innen ihren Glauben selbst gestalten?
In dieser Folge spricht Marie Briese mit dem Sprachwissenschaftler Dr. Jonas Trochemowitz, der sich in seiner Dissertation mit dem Verhältnis von Queerness und christlichem Glauben beschäftigt hat. Dafür untersuchte er konservativ-christliche Diskurse, besuchte 50 queere Gottesdienste und analysierte, wie religiöse Widersprüche sprachlich und praktisch ausgehandelt werden.
Im Gespräch geht es um die lange Geschichte queerer christlicher Gemeinschaften, um Gottesdienste als Schutzräume und um die Frage, wie Sprache, Liturgie und religiöse Traditionen verändert oder neu interpretiert werden. Dabei zeigt sich: Queere Gottesdienste sind keineswegs einheitlich. Zwischen traditionellen Ritualen und experimentellen Formen des Glaubens entstehen vielfältige Ausdrucksweisen queerer Christlichkeit.
Auch die Frage nach der Deutungshoheit über die Bibel spielt eine wichtige Rolle. Warum werden queere Lebensweisen als Widerspruch zur göttlichen Schöpfung dargestellt? Und wie können Widersprüche selbst zu einer produktiven Kraft für Glauben und Theologie werden?
Schließlich sprechen Marie und Jonas darüber, was Gemeinden ganz praktisch lernen können: Queere Menschen sind nicht erst noch in die Kirche zu integrieren – sie waren und sind längst Teil von ihr.

