«Geliebt bist Du dort, wo Du sein kannst wie Du bist.»

Roland, Zwischenraum

Stellungnahme zum Artikel im Reformiert bzw. Information im Chrischona Newsletter


An die Leitung von Chrischona Schweiz


Liebe Mitchristen und Mitchristinnen 
Sehr geehrter Herr Dr. Gloor 

Sehr geehrter Herr Haslebacher   
 
Wir von Zwischenraum Schweiz, einer Organisation von homo-bi und transsexuellen Christen/Christinnen aus Freikirchen, würden gerne Stellung nehmen zum Artikel im Reformiert: Kompromisslos gegen Segen für Homosexuelle bzw. zur Information im Chrischona Newsletter
 
  
Wir können gut verstehen, dass Personen in Leitungsfunktionen Träger einer gemeinsamen Vision sein müssen sowie Repräsentanten der gleichen christlichen Lehre.  
Auch wir von Zwischenraum Schweiz erwarten, dass diejenigen welche eine Leitungsfunktion haben, hinter unserer Vision stehen und dafür sorgen, dass in unseren Hauskreisen, Jesus und seine Lehre, im Mittelpunkt steht.  
  
Zur Zeit können wir weltweit beobachten wie das Thema Homosexualität ganze Kirchen spaltet.  
Wir bedauern diese Entwicklung sehr und wünschen uns von Herzen, dass der Dialog mit Menschen in den Gemeinden, die selbst nicht hetero sind, verstärkt werden kann.  
  
Wir beobachten seit langem, dass die Diskrepanz zwischen dem was homosexuelle Christen/Christinnen in der Realität erleben und der Vorstellung vieler Gemeinden wie homosexuelle Christen/Christinnen leben können, immens gross ist.  
Wir führen das darauf zurück, dass das Gespräch mit Direktbetroffenen nicht stattfindet (allenfalls noch mit jenen welche erklären sie hätten Veränderung ihrer sexuellen Orientierung erfahren). Die grosse Mehrheit welche nie Veränderung erlebt hat, wird als Menschengruppe angeschaut, die einfach „Seelsorge“ braucht.  
  
Es ist sehr wichtig, in dieser Frage, die Relationen zu beachten.  

Wir von Zwischenraum Schweiz und Deutschland können bezeugen, wie über all die Jahre, unzählige Menschen ihre Geschichten an uns herangetragen haben, die zum Ausdruck brachten, dass es eben nicht so ist, wie viele Gemeinden sich das vorstellen oder aus der Theorie kennen.  
Es sind Zeugnisse von Menschen, die jahrelange Konversionstherapien hinter sich haben, teils bis zu 20 Jahre und dann an einen Punkt des völligen Zerbruchs und Depressionen standen. Es sind Schilderungen, wo Menschen in Gemeinden Zeugnis abgelegt haben, dass sie eine Veränderung erlebt haben, um später dann in der heterosexuellen Ehe zu merken, dass es eben doch nicht so ist.  
Auch kaum zählbar sind all die Geschichten von Menschen, welche erzählen, dass sie geglaubt hätten, sie wären verändert worden, dann geheiratet haben und später gemerkt haben, dass sie doch nicht verändert sind und sich dann scheiden liessen. Das Traurigste ist einfach die Tatsache, wie solche Menschen innerlich kaputt gehen. 
Und es ist ja nicht so, dass wir die Einzigen sind, welche diese Beobachtung machen. Diese Zeugnisse bestehen rund um den Globus. Schauen wir mal in die USA, sehen wir, dass dort Konversionstherapien immer wieder Suizid-Opfer zur Folge hatten.  
  
Wir können die Angst und Befürchtung nachvollziehen, dass man die Bibel so dreht, wie es einem gerade passt, oder dass man in eine „Alles-ist-erlaubt-Haupsache-es macht-Spass-Mentalität“ hinein rutscht.  
  
Anderseits sind wir von Zwischenraum aber der Auffassung, dass Bibelstellen nicht nur so ausgelegt werden können, wie sie traditionell ausgelegt wurden. Wenn Bibelinterpretation Menschen in ihrer Auswirkung Licht, Hoffnung und Leben raubt, muss sie von der Mitte der Schrift her hinterfragt und forschend und betend neu gefunden werden.  
Wenn Menschen alles daran setzen entweder einer sehr kleinen, nicht repräsentativen Gruppe „Geheilter“ anzugehören, von denen man weiss, dass viele im Nachhinein ihre „Veränderung“ wieder dementieren, oder aber wenigstens zölibatär zu leben und auf eine Partnerschaft zu verzichten; dann ist die Verkündigung mitschuldig am Leid dieser Menschen und ihrer Familien.  

In Matthäus 7:18 steht:
Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten. 
 
  
Mit einem neuen Grundlagenpapier, dass eine ablehnende Haltung bekräftigt, geraten selbst jene Leitungspersonen, welche ihre gleichgeschlechtliche Sexualität nicht leben, vermehrt in ein sich verstecken müssen und seelsorgerische Hilfestellungen werden durch solche Dokumente erschwert.  

Vielleicht wäre es an diesem Punkt auch hilfreich, bei ICF nachzufragen, weshalb sie ganz auf ein Paper verzichten.  
Wir gehen davon aus, dass ICF eingesehen hat, dass man bei dieser Frage momentan noch keine einheitliche Lösung finden kann und deshalb ein solches Paper nur Streit und Spaltung hervorbringt.  

Wir von Zwischenraum Schweiz würden uns wünschen, dass wieder mehr miteinander statt übereinander gesprochen wird.  
Zudem würden wir uns wünschen, dass ein Grundlagenpapier nicht in erster Linie eine Orientierung für heterosexuelle Christen/Christinnen, also für Nicht-Betroffene ist, sondern eine Orientierung für Betroffene sein kann, also für homosexuelle Christen/Christinnen.  

Wir von Zwischenraum wünschen uns, dass ein Grundlagenpapier mit Betroffenen selbst erarbeitet werden kann.  
Denn genau so, wie auch Männer nicht ohne die Anwesenheit von Frauen diskutieren sollten, welche Stellung die Frau in der Gemeinde hat, so sollten auch heterosexuelle Christen/Christinnen nicht alleine darüber befinden welche Stellung homosexuelle Christen/Christinnen in der Gemeinde haben sollen.  
  
Wir von Zwischenraum Schweiz würden uns sehr freuen, wenn wir in einem offenen und ehrlichen Gespräch, Ihnen noch etwas ausführlicher unsere Sichtweise schildern dürften, denn es ist eine jahrelange Erfahrung, dass ein intensiver Dialog für alle Parteien sehr zielführend sein kann.  

Wir wissen uns mit Ihnen verbunden in der gemeinsamen Sehnsucht, dass Menschen Ihren Weg zu und mit Jesus Christus finden und auch in der Liebe zur Bibel.  

Mit freundlichen Grüssen

 

Zwischenraum Schweiz



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